Geschichte

Segetenhaus frueher

Friedrich Karl Strähle wurde 1871 in Nagold bei Stuttgart geboren. Auf der Wanderschaft in der Schweiz lernte der Zimmermann und Bauschreiner seine spätere Frau Emilie Pfenninger aus Riesbach kennen. Die junge Familie Strähle-Pfenninger lebte zuerst in Zollikon, später in Riesbach. 1911 suchte sie per Zeitungsinserat «Land mit Wasser (Quelle)» zu kaufen. Im November 1913 erwarb Emilies Vater, der Drechslermeister Friedrich Pfenninger, etwas mehr als 1 ha Land im sogenannten Thalacker der Gemeinde Witikon. Zwei Monate später verkaufte er es für 3000 Franken an seine Tochter.

Es wird berichtet, Friedrich Karl Strähle und seine vier Söhne hätten das heutige Segetenhaus (Wohnhaus mit Werkstatt, Keller und Stall) 1914-18 ohne Baubewilligung, nachts beim Schein von Petroleumlampen gebaut. Erst als das Haus fertig war, seien die Einwohner von Witikon darauf aufmerksam geworden. In Anerkennung der hohen Qualität des Gebäudes habe der Gemeinderat mit dem Präsidenten Paul Boller beschlossen, Strähle lediglich mit fünf Franken zu büssen.

Segetenhaus Familie Straehle

Friedrich Strähle fertigte in seiner Werkstatt Holzteile für die Möbelindustrie. Der finanzielle Erfolg blieb jedoch aus. Deshalb gab er 1924 dieses Geschäft auf und begann Gemüse anzubauen, welches er in Witikon und auf den Märkten in der Stadt Zürich verkaufte. Diese neue Tätigkeit löste auch neue Bauaktivitäten aus. 1927 entstand ein Stallanbau, der 1938 mit offenen Unterständen ergänzt wurde. Auf der anderen Seite des Weges entstand 1961 eine freistehende Remise und 1964 eine zweite Scheune.

Emilie Strähle-Pfenninger starb 1931 im Alter von 58 Jahren. Ihr siebtes Kind war damals erst zehn Jahre alt. Friedrich Karl Strähle, der «Thalfürst» wie er in Witikon genannt wurde starb 1944 im Alter von 73 Jahren. Nach seinem Tod führten seine Tochter Martha und ihr Ehemann Hermann Knop den Gemüseanbau weiter. Für kurze Zeit lebten auch noch Marthas Brüder Paul und Walter im Segetenhaus.

1969 verkaufte die Familie das Grundstück und die Gebäude an die Stadt Zürich. Martha Knop behielt aber ein lebenslanges Wohnrecht. 1990, nach ihrem Tod, wollte die Stadt das baufällige Haus abbrechen lassen. In hartnäckigen Verhandlungen gelang es schliesslich einer Bürgeraktion aus Witikon den Abbruch zu verhindern. Der Verein Suchtprävention Witikon konnte das Segetenhaus mit etwas Umschwung im Baurecht übernehmen und grosszügige Spenden ermöglichten eine Totalsanierung des Gebäudes, den Anschluss an Wasser, Kanalisation, Elektrizität und Telefon.

Segetenhaus vor Umbau sml

Beim Umbau wurde grossen Wert darauf gelegt auf erneuerbare Energie zu setzen. So werden der Wohnteil und das Wasser in den Wintermonaten mit Holz geheizt (Wasser im Sommer durch Solarenergie) und die Spülung der Toiletten wird mit Regenwasser betrieben.

Im Jahr 1996 wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt.

Im August 1997 bezieht die junge Familie Reimers den Wohnteil des frisch renovierten Segetenhauses.

Die öffentlichen Gemeinschaftsräume im unteren Hausteil werden seit 1998 von Privaten, Schulen und Vereinen gemietet und genutzt.

2007 wurde der Verein Suchtprävention umbenannt in den Verein Segetenhaus. Der Betrieb und der Unterhalt des Hauses beanspruchte zunehmend die gesamte Vereinsarbeit. Zum Zweck der Vernetzung der Kinder- und Jugendarbeit im Quartier wurde neue das Forum Kind-Jugend Witikon gegründet. Seither ist der Verein Segetenhaus Träger der Liegenschaft Segetenhaus und zuständig für den Unterhalt und die Nutzung des Hauses.

Seit 2011 leben die Hauswarte Anja und Benjamin Burkhard mit ihren Kindern im Segetenhaus.

2015 investierte der Verein Segetenhaus in eine Solaranlage, welche jährlich rund 8300 KWh Strom produziert.

Segetenhaus neu Seite
Segetenhaus neu vorne sml

Literatur

  • Hans Girardet, Beat Haas & Pietro Maggi (1998) Ein Haus im Tobel. In: Kulturlandschaft Stadt: Architektur - Städtebau - Denkmalpflege. Texte für Ursula Koch.
  • Doris Angst (1984) Zürich-Witikon: 1934 - 1984 50 Jahre Eingemeindung. Herausgeber: Quartierverein Witikon.
  • Stadtarchiv Zürich (1994) Hundert Jahre Gross-Zürich: 60 Jahre 2. Eingemeindung 1934.

 

 

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